Geschichte

Während manche Ecken der Innenstadt immer trostloser werden, sind die Schulen übervoll von Menschen mit Fantasie und Kreativität. Und während in der Fußgängerzone Laden- und Gewerbeflächen leer stehen und herunterkommen, platzen die Schulen aus allen Nähten und suchen dringend nach Räumen zur Nutzung außerhalb der Unterrichtszeiten - also in den Freistunden und in der Mittagszeit.

Dass man diese beiden Tatsachen zusammendenkt, ist noch eher unüblich: Normalerweise denken Stadtplaner darüber nach, wie sie etwas gegen die Verödung des Zentrums tun können, und die Schulplaner überlegen parallel und völlig unabhängig davon, wie sie den Schulen neue Räume - etwa für die Mittagsbetreuung - einrichten können.

Manchmal gibt es aber den Glücksfall, dass die eine oder andere Seite gar nicht anders kann, als auch außerhalb des eigenen "Zuständigkeitsbereichs" nach Lösungen zu suchen.

Genau dies war der Fall bei Darmstadts renomiertem Lateingymnasium, dem Ludwig-Georgs-Gymnasium (LGG): Dieses hat seine Heimat nämlich in einem so genannten "Meisterbau", der architektonisch nicht verändert und auch nicht erweitert werden darf. Trotzdem besteht aber auch im LGG ein dringender Bedarf an Räumen, die für die Schüler/innen außerhalb der Unterrichtszeiten nutzbar sind. Die derzeit gemeinsam mit der Viktoriaschule genutzten Räume im Jugendhaus huette decken gerade mal so eben den Bedarf der Fünft- und Sechstklässler ab, so dass - auch mit Blick auf die begonnene Verkürzung der Gymnasialschulzeit auf 8 Jahre - schon seit einiger Zeit dringender Handlungsbedarf bestand.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen blieb den Verantwortlichen des LGG und dem Verein Die Villa als Partner des LGG für den Ganztagesbereich also gar nichts anderes übrig, als sich bei der gemeinsamen Suche nach weiteren geeigneten Räumen außerhalb des Schulgeländes umzusehen.

Knapp zwei Jahre dauerte die Suche; manches wurde in dieser Zeit begutachtet, erwogen und wieder verworfen, aber dann wurden wir fündig: In der Nähe der Schule, am Rande einer großen Unterführung, wurden 200 qm Gewerbefläche frei, die zuvor einen Ramschladen und eine Kneipe beheimatet hatten. Räume, die groß genug sind, um pädagogisch betreute Aufenthaltsräume für Schüler/innen darin unterzubringen, die von der Schule aus gut und sicher zu erreichen sind und die sich zudem an einem Ort befinden, der geradezu danach schreit, mit Fantasie und Kreativität zu (neuem?) Leben erweckt zu werden.

Schulleitung, Schülervertretung und Die Villa begutachteten die Räume und kamen zu dem Schluss, dass sie - nach enstprechenden grundlegenden Vorarbeiten - für den angestrebten Zweck durchaus geeignet wären. Auch die Elternschaft des LGG schloss sich dieser Auffassung an, so dass man dem städtischen Schulamt und der Schuldezernentin gemeinsam einen entsprechenden Vorschlag unterbeiten konnte.

Auch von dort erfuhr die Idee - bei aller nachvollziehbaren Skepsis angesichts des seinerzeitigen Zustandes - ebenso grundsätzliche wie auch praktische und politische Unterstützung. In der Folge wurden intensive Vorgespräche und Verhandlungen geführt: auf der Ebene von Politik und Verwaltung, aber auch auch mit dem Eigentümer der Räumlichkeiten, der bauvereinAG. Schließlich entstand eine Magistratsvorlage, und auf deren Basis kam es in den zuständigen politischen Gremien zu einem gemeinsamen Beschluss aller politischen Parteien, das Projekt "Aquarium" (diesen Namen hatte die Schülervertretung mittlerweile für die Räume ausgewählt) zu ermöglichen.

Anfang 2007 begann die bauvereinAG mit der grundlegenden Instandsetzung der Räume (Entkernung, Trocknung), auf die dann ein siebenmonatiger Um- und Ausbau folgte. (wir haben das ein bisschen in unserem Homepagebereich "Bilder" dokumentiert...)Dieser Umbau wurde von Anfang an begleitet von der sogenannten "Aquarium-AG", in der SchülerInnen, LehrerInnen, die Schulleitung und Die Villa gemeinsam die wichtigsten konzeptionellen Grundlagen und Regeln für das Aquarium erarbeiteten, aber auch von Anfang an in Fragen der räumlichen Planung und der Ausstattung eingebunden waren.

Ursprünglich war geplant, das Aquarium direkt nach den Sommerferien 2007 in Betrieb nehmen zu können, aber verschiedene bauliche Probleme führten dazu, dass der Umbau erst Ende September 2007 so weit abgeschlossen werden konnte, dass ein Probebetrieb beginnen konnte.

Am 22. Oktober 2007 dann konnte das Aquarium in einem feierlichen Akt offiziell eröffnet und seiner Bestimmung übergeben werden.

Trotzdem ist die Geschichte noch nicht zu Ende, denn während des Umbaus bot die bauverein-AG der Stadt Darmstadt weitere, an das Aquarium anschließende Räumlichkeiten an, um dort die schon seit langem dringend benötigte SchülerInnenbibliothek für das LGG einrichten zu können. Und weil es sich um ein wirklich sehr faires Angebot handelte, hat die Stadt auch diese Chance für das LGG wahrgenommen. Auch in diesen Räumen ist einiger Renovierunsgbedarf, aber spätestens zum Schuljahr 2008/2009 sollen hier Einzel- und Gruppenarbeitsräume eingerichtet sein, die dann auch direkt mit dem Aquarium verbunden sein sollen.

Ganz nach dem Motto: Paukst du noch oder lernst du schon?